Ökostrom - warum trotzdem Strom sparen?

Sie beziehen Ökostrom, weil Sie etwas für die Umwelt tun möchten? Das ist gut. Reicht aber noch lange nicht. Warum der beste Strom der ist, der gar nicht erst verbraucht wird, beantwortet der Experte Dominik Seebach vom Öko-Institut.

„Warum sollte ich aus ökologischen Gründen Strom sparen, wenn ich schon Ökostrom beziehe?“ (Tamara Werner, Rothenburg)

Dominik Seebach (Öko-Institut): „Das ‚Ökologische’ an Ökostrom ist die Verdrängung von Stromerzeugung aus konventionellen Kraftwerken, welche uns durch die Verbrennung von Kohle oder die Erzeugung von strahlendem Atommüll enorme Umweltprobleme bescheren. Doch selbst Strom aus Erneuerbaren Energien hat seine Schattenseiten, wie beispielsweise die Beeinträchtigung von Gewässerökosystemen durch Nutzung der Wasserkraft oder Umweltbeeinträchtigungen, die durch die Erzeugung von Biomasse entstehen können.

Außerdem wird durch die am Markt angebotenen Ökostromprodukte gar nicht unbedingt Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken verdrängt. Oft stammt der vermeintliche Ökostrom aus alten Wasserkraftwerken, die ohnehin schon seit Jahrzehnten wirtschaftlich betrieben werden. Dieser Strom wird dann explizit der Gruppe der Ökostromkunden zugeordnet und anderen Kunden ‚weggenommen’, welche diesen dann oft gar nicht vermissen. Für die Umwelt ist das ein Nullsummenspiel.

Selbst bei guten Ökostromprodukten, die explizit Strom aus neuen Anlagen beziehen, kann man davon ausgehen, dass nur ein gewisser Anteil der konventionellen Stromerzeugung durch vergleichsweise umweltfreundliche Stromerzeugung ersetzt wird.

Daher gilt also in jedem Fall: Der beste Ökostrom ist der Strom, der gar nicht verbraucht wird. Nicht nur die Umwelt, auch Ihr Geldbeutel wird es Ihnen danken.“